5.-18. April 2007 - Tahiti

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Mit unserem Flug QF 327 von Sydney/Australien ueberqueren wir die Internationale Datumsgrenze und landen daher einen Tag frueher als abgeflogen, naemlich am Donnerstag, 5. April 2007 an unserem Wunschziel. Um 21.ooh stehen wir auf Boden von Tahiti, fuellen zwei Zettel fuer die Immigration aus und finden zu unserer Erleichterung bald darauf unsere beiden Reisetaschen auf dem Gepaeckrollband vor.
Der Wechselkurs der Waehrung ist fest mit CFP 119.331 (Franc Cours pacifique) auf den Euro fixiert. Mit neu eingewechselten lokalen Moneten im Sack besteigen wir ein Taxi und werden fuer die viertelstuendige Fahrt durch Papeete nach Pirae ins Le Royal Tahitien schon mal deren 3'700.- los. Die Online Reservierung hat geklappt. Zimmer 207 in einem der beiden zweistoeckigen Gebaeude mit je 14 Einheiten steht bereit. Dafuer sind im Hotel nach 22.ooh ausser der Reception Restaurant wie auch Bar ohne Licht und geschlossen, d.h. es gibt nichts mehr zu futtern oder zu trinken zu kaufen. Also bereiten wir uns einen feinen Drink ab Wasserhahn via Katadyn-Taschenfilter zu und essen dazu einen letzten Riegel samt Apfel noch aus Australien.
Wir sind leicht groggy am naechsten Morgen und kommen erst relativ spaet, dafuer umso hungriger zum Continental Fruehstueck. Am Pool richten wir uns zwei Liegestuehle im Schatten unter Palmen der schoenen Gartenanlage ein bevor wir den Strand, hier schmal und mit schwarzem vulkanischen Sand, was ihn unattraktiv und schmutzig erscheinen laesst, aufsuchen. Dank dem vorgelagerten Riff kann man im ruhigen, "seich"-warmen Wasser gut schwimmen. Den Tag verplempern wir mit Lesen, das oefters mal in Doesen ausartet, zwischendurch gestaerkt mit riesige Portionen von Sandwich und Omelette mit Frites. Im Restaurant des Hotelkomplex essen wir am Abend unsere erste Portion frischen lokalen Fisch, Mahi Mahi, der unerwartet lecker - eben franzoesisch und nicht plain english - zubereitet ist. Fredy wird am Abend nicht "alt" - umso mehr als das TV Programm natuerlich in franzoesischer Sprache ist. Ich sitze noch bis in alle Nacht hinein am LapTop, habe ich doch einiges an Geschreibsel aufzuholen.

Am Samstagmorgen um 9.3oh geht es mit Tahiti Safari Expedition zum Tagesausflug los. In unserem Hotel werden die beiden Sitzbaenke auf der Ladeflaeche des Landrovers mit einer zusammengewuerfelten 8-koepfigen Gesellschaft endgueltig bestueckt: Bis ueber Mahina hinaus fahren wir auf geteerter Strasse der Kueste entlang und koennen von einem Aussichtspunkt auf Papeete zurueckschauen. Dann biegen wir auf eine mit "4x4WD bis zu 3,5 t nur" bezeichnete Naturstrasse ins Vallée de Papenoo ab. Wir folgen dem Lauf des Papenoo, vorbei an den Cascades Tapatari und Purahaan und unzaehligen andern kleinen Wasserfaellen. Nach einer guten Stunde Fahrt stoppt der Guide zum ersten Mal fuer einen Sprung ins klare Wasser des Flusses.
Da scheiden sich dann die Geister der Teilnehmer: eine junge alleinreisende Franzoesin, ein junges Paar aus Paris und wir ergreifen begeistert die Gelegenheit zur Erfrischung. Gleich den Einheimischen, die ueber die Ostertage am Ufer gerade ein Camp eingerichtet haben, springen die Sportlicheren unter uns (wer wohl?) ebenfalls von einem vorstehenden Felsen hinunter ins Wasser. Waehrenddessen bleibt das saeuerliche Ehepaar aus Deutschland im Wagen sitzen, der inmitten von Gruenzeug von vielen kleinen Moskitos umschwirrt wird. Auch die japanische mittelalterliche Touristin kann sich nur schwer entschliessen, wenigstens - mit aufgespanntem schwarzen Regenschirm zum Schutz vor der Sonne - zum Ufer hinunter zu spazieren.

Wir ueberqueren auf der Weiterfahrt mehrere Barrages, wo das Wasser zur Gewinnung von 80% des gesamten Strombedarfs von Tahiti aufgestaut wird. Unser Guide ist sehr stolz auf seine Heimat und stark mit der Natur verbunden. Er erklaert uns die Umgebung und verschiedenartigeste Pflanzen:
  • junge Farnblaetter mit Staubgefaessen an der Unterseite, mit denen man mit Draufklatschen ein weisses "Tatoo" auf den Oberarm projezieren kann;
  • eine andere, insekten-fressende Farnart, deren Blaetter sich bei Beruehrung mit dem Finger irrtuemlich sofort schliessen;
  • Knollen von wildem Ginger mit jedoch nicht sehr intensivem Geschmack
  • Bananenstauden wie sie uns bekannt sind, aber auch eine Art Kochbananen, deren Fruchtbuendel nicht haengen sondern nach oben wachsen;
  • in einem der Stauseen lockt er fuer uns mit Brot eine spezielle Art Aale heran;
  • weist auf Szenerie, die als Kulisse fuer den neusten (zwar effektiv in Hawaii gedrehten) Jurassic Park-Film gedient haben sollen.

Je weiter wir in den Kraterkessel des Maroto hineinkommen, desto mehr verschlechtert sich das Wetter. Bald fallen die ersten Tropfen und waehrend der Mittagsrast im Relais de Maroto giesst es wie aus Kuebeln. Ich bin froh, dass im Restaurant eine Mahlzeit serviert wird und nicht das bei der Buchung angekuendigte Picknick stattfindet.
Entsprechend sind auch die Kraterraende verhangen - um uns herum nur noch sattgruene Vegetation und graue Wolken. Ueber eine schmale Eisenbruecke peilen wir das letzte steile Wegstueck an. Wegen der Erdrutsche und Verschuettungen fuehren die Touren leider nicht mehr ueber den Kraterrand hinweg an die suedliche Kueste der Insel. Endstation ist die aerchologische Staette Anapua mit seinem Marae am Vainavenave Bassin. Diese flache, aus Basaltquadern erstellte rechteckige religioese Staette aus alter tahitischer Kultur besichtigen die aktiven Mitglieder der Gruppe trotz stroemenden Regen, um den engagierten Fuehrer nicht zu enttaeuschen. Und auch beim letzten Badehalt mit einer Art Rutschbahn ueber Felsen werden wir nicht nur von unten nass. Trotz geschlossenem Verdeck wird es, da die meisten noch in nassen Badehosen, empfindlich kalt auf der Rueckfahrt und wir begruessen die waermeren Temperaturen an der immerhin noch teilweise sonnigen Kueste.

Bei Tageslicht kostet das Taxi zum Hafen im Verhaeltnis erheblich weniger. Es faehrt uns eine aeltere Dame, die eigentlich Malerin sein will und entrueckt ist vom heute morgen klaren Anblick der den 2241 m hohen Orohena umgebenden Vulkankegel. Sie sieht es auch nicht so eng, als ich kein Kleingeld und sie kein Wechselgeld hat - es gibt einfach noch einen rechte Preisreduktion von 1'500.- auf 1'150.- CPF.
Die Stadt ist noch verschlafen. Nicht einen Laden finde ich, um etwas zu trinken und einige Fruechte zu kaufen. Mit Glueck und Hinweis von einem Einheimischen finde ich wenigstens einen ATM, um unser geschwundenes Bargeld via Kreditkarte zu einem hoffentlich besseren Kurs wieder aufzustocken. In 30minuetiger Fahrt bringt uns die Superfast Faehre von 9.05h von Papeete nach Moorea. Da steht schon eine Klapperkiste von Bus, die auf Fahrgaeste der drei ankommenden Faehren wartet und sich schnell fuellt. Mein Franzoesisch, obwohl schon lange nicht mehr gebraucht, ist noch ganz passabel. So kann ich gut mit dem freundlichen Chauffeur parlieren. Nur gut so, denn kaum an der Nordkueste der Insel direkt vor der Pension Motu Iti ausgestiegen, kommt derselbe Bus aus der Gegenrichtung nochmals angerollt und die ehrliche Haut von Chauffeur bringt mir strahlend meinen im Bus vergessenen Laptop ins Haus. Ich hatte ihn noch nicht mal vermisst und konnte es kaum glauben, das mir das passieren konnte - glaubte ich doch immer dieses Gepaeckstueck mir aus langer Praxis praktisch angewachsen sei.
Die Pension Motu Iti ist ein Familienbetrieb direkt am Meer unweit des Sheraton Hotels. Der davorliegende Strand ist hier ueberall mit Korallenbloecken bestueckt und auch hier haben wir keinen Sandstreifen sondern einen ins Meer hinausgebauten Pavillon mit Steg als Ersatz. Kanus und Paddel sind zum freien Gebrauch vorhanden. Nur drei der fuenfsauberen Bungalows stehen direkt am Wasser und wir kriegen zum Glueck den letzten davon. Alle sind sie einfach aber praktisch eingerichtet mit privater Dusche und WC, TV, ueber dem breiten Doppelbett sogar ein Moskitonetz, kleiner privater Terrasse mit Tisch und Stuehlen. In der Reception stehen zwei PC mit Internet-Anschluss und ein Gestell, wo man gelesene Taschenbuecher austauschen kann. Wir waehlen sogenanntes "half board" (Halbpension). Im offenen Restaurant wird von 6.30-9.00h das Fruehstueck und abends ab 18.00h bis 20.30h das Nachtessen serviert. Es gibt keine Bar oder Unterhaltung hier. Unmittelbar nach dem Abendessen wird das Restaurant dicht gemacht.

In den folgenden Tagen entwickeln wir keinerlei Ehrgeiz und geniessen das Nichtstun: Baden im warmen Meer, Herumpaddeln mit den kostenlosen Kanus und herrliches Faulenzen, lesen, Karten oder Triomino spielen. Im Dormitory der Pension halten sich einige Schweden und ein New Zealander auf, mit denen wir uns ab und zu unterhalten. , die ich wegen der tiefen Sitzkuhle und der ungluecklichen Stellung darin wegen meines Rueckens allerdings nicht benutzen kann. Das schoene Wetter, das wir fuer selbstverstaendlich gehalten haben, macht sich allerdings rar. Oefters bleibt der Himmel bedeckt, ab und zu regnets und am Donnerstag-morgen, als wir eigentlich einen Ausflug zurueck nach Tahiti Nui machen wollten, giesst es in Stroemen, so dass wir das Vorhaben verschieben. Am Freitagmorgen, 13.4., jedoch stehen wir bereits kurz vor 7.ooh an PK 13,200 (was soviel heisst wie die Distanz von der Anlegestelle auf Moorea) an der Hauptstrasse und warten auf den Bus, der nur gerade zu Verbundzeiten mit der Faehre verkehrt. 300.- CFP pro Person wechseln die Hand und gute 25 Minuten spaeter stehen wir am Faehrensteg und warten auf die Super Fast Ferry. Wir staerken uns erstmals mit Croissants und Capuccino, da wir das Fruehstueck in der Pension wegen der Fruehe ausfallen lassen mussten. In der heute tollen Sonne sitzen wir auf der Ueberfahrt auf dem obersten Deck.
1842 begann Frankreich mit der Annektion der Archepelagos und heute noch werden sie als sogenanntes franzoesisches Territorium vom einstigen Kolonialland finanziell unterstuetzt. Franzoesich Polynesien besteht aus 118 Inseln in den fuenf Achipelagos Gesellschafts-Inseln (wo sich Tahiti und Moorea befinden), den Marquesas, Tuamotu, Gambier und Austral. Alle lernen sie in der Schule und sprechen franzoesisch neben ihrer tahitischen Sprache. Phrasen daraus zieren die vielen Touristen-Prospekte und als Besucher scheint man mit Ia ora na (hello), Aita (nein), E (ja), Mauruuru (Danke) und Nana oder Parahi (Adieu) auszukommen. Praktischerweise merkt man sich vielleicht noch Vahina (Frauen) und Tane (Herren), wollte man ein gewisses Oertchen aufsuchen.

Die Bevoelkerung ist reserviert aber freundlich. Bei Ankunft erhaelt man als Willkommensgruss ein Blumenkranz, bei Abreise sollte das Ueberreichen einer Muschelkette gute Reise wuenschen und fuer ein gutes Andenken an Tahiti sorgen. Koerper-Tattoo ist eine alte Tradition, die allerdings nach der Ankunft der Missionare fast verschwand, heute aber wieder stolz getragen wird. Als Zierde tragen die Maenner oft eine geschlossene und die Frauen eine offene Bluete der Nationalblume Tiare (Gardenie) hinter dem Ohr. Getragen auf der linken Seite bedeutet, dass das Herz vergeben ist, die rechte Seite aber Chancen verspricht.
Wie wir reisen sie in der Hauptsache in Bussen oder Trucks mit speziellen Aufbauten fuer den Personentransport ueber Land. Die Adresse wird mit PK und einer Zahl angeben, was auf Tahiti Nui der Distanz von der zentralen Cathedrale von Papeete entspricht. Die Kuestenbewohner paddeln ihre typischen Kanus mit Auslegern zum Balancieren.

Im Hauptort Papeete wohnen im Stadtkern 27'000 Personen und an die 100'000 in der Agglomeration von den insgesamt 250'000 Bewohnern von Franzoesisch Polynesien. Viel zu sehen gibt es eigentlich nicht.

Bekannteste Attraktion ist der nicht allzu grosse Marché, der jedoch aus einem grossen Teil aus Souvenirs (geflochtene Artikel, vor hier beliebte und viel getragene Huete, Holzfiguren, Schmuck aus Muscheln, das parfuemierte Oel Monoi, Vanille) und Kleidern und wenigen Fruechte-, Gemuese-, Blumen- und Fleisch-Staenden besteht. Fische erreichen hier den Konsumenten erst im Laufe des Nachmittags, da hierzulande niemand deswegen frueh aufsteht und die Fischerboote erst im Laufe des Morgens jeweils zum Fang auszulaufen pflegen. Von den Einheimischen wird der vor allem am Samstag morgen besucht.

Wir haben wenig Lust auf Besuch der einfachen Holzkirchen und werfen auch nur einen kurzen Blick auf das Mairie. Dafuer schlendern wir raus bis zum kuerzlich in ein moderneres Gebaeude umgezogenen Perlen-Museum. Neben dem Tourismus bringt der Handel mit den Zucht-Perlen von Tahiti das zweitgroesste Einkommen und wird von Robert Wan dominiert. Je nach Standort der Muschelfarmen kommen die Kostbarkeiten schwarz, silber, Tahiti Gold, Peacock Green, Poe Rava, Peacock blue oder aubergine/cherry-farben auf den Markt. Ausschlaggebend fuer ihren Preis sind Glanz, Oberflaechen-Perfektheit, Groesse, Farbe und Vollkommenheit der verschiedenst genormten Formen. Ich komme bei den wie mir scheint unanstaendig teuren Preisschildchen uebers Ansehen gar nicht heraus und habe das Gefuehl, dass die Preise hier kuenstlich hochgehalten werden und dieselben Perlen in Europa eventuell guenstiger zu erwerben sind.
Verpflegen kann man sich ausser in unzaehligen kleinen und grossen Restaurants an Ess-Staenden im Markt oder aber bevorzugt bei den weitverbreiteten "Roulottes", rollenden Kuechen, die auf die Mahlzeiten hin ihre vorgekochten Speisen offerieren. Es soll auch so was wie ein Nachtleben, Bierkneipen und Bars mit Karakuole hier geben, wovon wir allerdings nichts mitbekommen.

Zum Zmittag kaufen wir eine frische Baguette, Brie und Rohschinken und verzehren die Koestlichkeiten unter schattigen Baeumen im Bougainvillea Park. Bereits um 16.00h verlassen wir mit der letzten Faehre des Tages Tahiti Nui und kehren in unser temporaeres Zuhause zurueck.
Am Samstag geniessen heute das Nichtstun nach dem gestrigen Ausflug umso mehr. Wir machen einen Spaziergang zu Kaffee und Kuchen zum etwa 15 Minuten zu Fuss entfernten Sheraton Hotel und besichtigen da die an Stegen ueber dem Wasser gebauten Bungalows, den kleinen Privatstrand und zusaetzlichen Pool. Dann aber heisst es, langsam unsere Habseligkeiten zusammen zu sammeln .
Nach dem Fruehstueck am Sonntag verabschieden wir uns von den andern Gaesten. Monsieur Auguste, der uns die Unterkunft fuer die naechsten Tage besorgt hat, da wir aus Distanz via Internet um Ostern herum keine Vakanzen finden konnten, holt sein Auto raus und faehrt uns persoenlich zum Fare Vaihere, das an der Ostseite der Baie d'Opunohu liegt. Diese zweite Unterkunft ist um ueber 50% teurer als die vorherige, wird aber ihrem Preis absolut nicht gerecht. Zimmer und Bad werden nur jeden zweiten Tag gerichtet - wobei wir von Uebernachtungskosten von CHF 255.- fuer einen einfachsten Bungalow zu zweit, mit nicht funktionierender Warmwasser-Versorgung und ohne TV sprechen. Zwar erhalte ich hier in der Pension Zugang ueber Wifi ins Internet und kann die Gelegenheit zum Mailen benutzen. Serioesere Kontakte wie zur Bank scheinen mir bei den unsicheren Verhaeltnissen und ploetzlichen Unterbruechen allerdings als zu riskant. Da sein Kredit-Kartenleser nicht mehr in Betrieb ist, werde ich von Jean-Marc nach Paporao zur Bank chauffiert, damit ich am ATM das fuer die Zahlung notwendige Bargeld beziehen kann. Der Strand ist minimalst, aber ein Holzsteg fuehrt ueber das Korallengestein hinweg zur tieferen Zone, wo man schwimmen und mit zur Verfuegung gestellter, aber total verwahrloster Ausruestung schnorkeln kann. Das Wasser ist allerdings eher trueb und nur wenig Leben unter Wasser zu sehen.
Das Restaurant ist, abgesehen fuer ein einfaches Fruehstueck, wegen zu geschlossen. Also suchen wir uns aus den herumstehenden Velo-Wracks zwei aus, die am Abend den Weg zum Sheraton Hotel und wieder zurueck ueberleben koennten. Da essen wir - das vornehme, edel gedeckte à la Carte Restaurant verschmaehend - ebenfalls gepflegt im Restaurant am Pool. Dank unserer aufziehbaren Taschenlampe muessen wir auf dem Rueckweg die Strasse nicht nur erahnen. Fredy kann uns den Heimweg im Dunkeln etwas erhellen und vor allem uns bei den wenigen passierenden Fahrzeugen bemerkbar machen.
Am Montag, 16.4., ist Aktion angesagt. Wir radeln an den Ufern der Baie d'Opunohu und spaeter der Nordkueste von Moorea entlang. Unterwegs besichtigen wir die kleine Ortschaft Papotai und die paar Hotels und Pensionen an der Route, die wir vom Internet her kennen. Unsere Instinkt war schon richtig. Das Les Tipaniers, das leider ausgebucht war, erweist sich unserer Meinung nach als das best gelegene Ferienzentrum mit schoenen Sandstrand. Die Anlage gross genug fuer Abwechslung und Annehmlichkeiten wie Bar und Restaurant auf dem Gelaende und praktisch daneben liegende Vermietung von Autos, Fahrraedern wie auch Wasserfahrzeugen.
Die aufziehenden schwarzen Wolken halten was sie versprechen. Auf dem Heimweg werden wir traurig verschifft.

Das Wetter erholt sich gegen Abend, so dass wir wieder ins Sheraton zum Nachtessen starten - wohin auch sonst, da das einheimische Lokal, an dem wir gestern abend vorbeigekommen sind, anscheinend nur am Wochenende offen hat. Mit vollen Maegen radeln wir gestaerkt mit voller Kraft zurueck. Es blitzt und donnert. Erneut droht Regen, der uns schliesslich auch einholt, weil mir die Kette am Velo rausgefallen und die Reparatur einige kostbare Zeit beansprucht. Am dritten Abend sind wir schlauer geworden, als wir fuers Nachtessen bei Motu Iti (wo uns Auguste wie verlorene Kinder begruesst und sich freut, dass wir ihn beruecksichtigen) einen Besuch machen. Beim schwaerzer als schwarzen Himmel verzichten wir auf dem Heimweg auf einen Abschieds-Capuccino im Sheraton und kehren dafuer trocken in unsere Unterkunft zurueck.

Durch prompte Bezahlung freundlich gestimmt, bereitet uns der Chef zu so frueher Stunde das Fruehstueck eigenhaendig zu. Das Wetter zeigt sich zum Abschied noch einmal von der besten Seite, als wir um 6.45h stehen wir bereits mit Sack und Pack den Bus zur Super Fast Ferry besteigen, die dann bis nach Papeete rueber absolut nicht die schnellste ist.
Von wegen Buero bequem am Quai von Avis oder Europcar, das war mal. Ebenso verschwunden ist das einstige Gratistelefon, also mache ich mich zu Fuss auf, um telefonisch um Abholung zu bitten, waehrend Fredy uns Gepaeck huetet. Aber mangels tahitischer Telefonkarte entscheide ich mich, gerade direkt bei der Europcar in der Avenue Prince Hinoi vorzusprechen. Die Tarife, die man uns in Moorea ausgehaendigt hat, sind zweijaehrig und entsprechend ist alles teurer geworden. Den Wagen in der Stadt zu uebernehmen und am Flughafen abzugeben soll dann auch noch zusaetzlich kosten. Die Angestellte spuert meine Veraergerung und ist willig, den guenstigsten Wagen ohne A/C zu CFP 9970.- zu vermieten und als "Cadeau" auf die Airport-Transfergebuehr von 1200.- zu verzichten. Sie hat vermutlich noch nie einen CH Fahrausweis gesehen, laesst sich aber nichts anmerken. Ich umrunde wichtig den weissen 3-tuerigen Renault Twingo, deute auf die vielen Kratzer, die ein Mitarbeiter im Uebernahme-Protokoll vermerkt und fahre 20 Minuten spaeter an der "Front de Mer" vor, um mit Fredy und Gepaeck die Fuhre zu vervollstaendigen. Auf diese Weise haben wir die umstaendliche Busfahrt zum Airport oder das ansonsten teure Taxi gespart und haben den ganzen Tag ueber unser Gepaeck elegant versorgt.
Im Uhrzeigersinn umrunden wir die Hauptinsel Tahiti Nui, Zutagen zu einem mittaeglichen Picknick im Kofferraum. Beim Leuchtturm am Point Vénus bei der Matavai Bay stoppen wir fuer einen kurzen Bummel. Weiter der Ostkueste entlang bleibt der Strand unveraendert wenig attraktiv, hoechstens mal mit einem schmalen, aber schwarzen Sandstreifen. Es hat gestern stark geregnet, so dass sich aus den vielen Baechen und Fluessen aus dem Inland ockerfarbenes Dreckwasser in die See ergiesst. Rundum liegt ein Riff vor der Kueste, wo sich die Wellen brechen, aber in einigen Buchten ist die Brandung doch noch stark, etwa beim Arahoho Blowhole.
Die Einwohner draengen sich im engen flachen Landstreifen. In ihrem Ruecken erheben sich die vulkanischen, gruen mit Baeumen und Bueschen ueberwucherte steile Haenge. Nur ein kleiner Teil wohnt in schoenen Haeusern oder in den wenigen neu erstellten Siedlungen. Die Mehrheit haust in mobilhome-maessigen, einfachsten Unterkuenften mit meist viel Unordnung darum herum. Abfaelle werden entweder in oft ueberquellenden Plastikcontainern oder noch oefters zusammen mit ausrangiertem Hausrat haufenweise direkt entlang der Strasse deponiert. Jedes Dorf hat ganz sicher mindestens eine Kirche - meist der schoenste Bau der Gemeinde.

Bei Taravo zweigen wir auf Tahiti Iti ab, um an der im Reisefuehrer erwaehnten weissen sandigen Beach von Maui ueber Mittag zu baden und zu picknicken. Aber bei Pk 8 ist hoechstens etwas hellerer Sand, aber bestimmt nichts Grossartiges zu finden. Hoffnungsvoll weiterfahrend landen wir zum Schluss in Tautira, wo wir im Schatten einiger Baeume unsern Imbiss verzehren. Wir sind nicht bei Weitem nicht die Einzigen, die sich in der schwarzen Bucht, wo hinein die Stroemung Schmutz treibt, nicht zum Baden aufraffen koennen. Wir muessen nicht die ganze Sackgasse zurueck auf die Hauptinsel fahren sondern koennen eine Abkuerzung nehmen. Der Lookout vom Plateau des Mt. Teatara, der sich unter einer Wolkenkappe verbirgt, erlaubt zwischen aufgeschossenem Gruen aber Blicke zu den oestlichen und westlichen Kuesten hinunter.

Nicht entgehen lassen wollen wir uns die bei Surfern beruehmte "the Wave" von Teahupoo beim Hava'e Pass am Riff draussen. Diese gefaehrlicheStelle am Endpunkt der westlichen Teerstrasse ist nur was fuer Surffreaks. Gewoehnlich Sterbliche koennen lediglich vom Strand aus beobachten, wie sich immer wieder eine riesige Welle aufbaut und dem Riff entlang wandert.
Die Zeit faengt langsam an zu draengen, denn um 18.ooh ist es jeweils bereits dunkel. Wir verlassen Tahiti Iti und fahren via Papara der Suedkueste der Hauptinsel entlang bis wir an der Westkueste zum wunderschoen unterhaltenen Marae Arahurahu gelangen. Angesichts der fortgeschrittenen Zeit liegt die Staette leider schon im Schatten.
Eigentlich wollten wir an unserem letzten Abend auf Tahiti noch gediegen dinieren, aber ohne genau Karte ist es gar nicht so einfach, ein entsprechendes Restaurant zu suchen. Und Pech wie wir haben, sind diejenigen, die wir finden heute erst noch geschlossen! Schliesslich landen wir in Papeete an der Meerfront im le Rétro, das schon bessere Zeiten gesehen hat, und begnuegen uns mit Club Sandwiches. Danach steuern wir den Airport in Faa'a an, haben aber unsere Zeitrechnung ohne den Autovermieter gemacht. Die Schalter sind mangels vorangemeldeten Kunden auch bei den zwei eintreffenden Fluegen gar nicht besetzt. Um 22.ooh koennen wir bei LAN Airlines einchecken und unser Gepaeck loswerden. Da ich bei der Autouebernahme wegen des Versicherungs-Selbstbehaltes wie ueblich eine Blanko Kreditkarten-Belastung zu unterschreiben hatte, mussten wir bis 23.30h lauern, bis endlich die zustaendige Dame auftaucht, uns gnaedigst den Autoschluessel abnimmt, das Abnahme-Protokoll abzeichnet und uns den wichtigen Schein aushaendigt.
Zum Flug LA 834 von Papeete International Tahiti Faaa Airport (PPT) mit Start am 19.4. morgens um 00.30h muss ich ein paar Mal durch die Schleuse, weil hier wieder mal meine Schuhe angeben, worauf man auch noch gerade meine Taschen und den Laptopkoffer im Detail sehen will. Dannach geht es zuegig voran. Kaum sitzen wir, rollt schon der Flugi an und ich kann nicht mal mehr meine vorbereiteten SMS nachhause abschicken. Es gibt ein Snack und Getraenk. Monitoren haben die Sitze in der Boeing 767-300 nicht und fuer die weit entfernten Bildschirme muesste man Giraffe und erst noch Feldstecher-Besitzer sein. Innert Kuerze werden die Rouleaux als Zeichen zur Nachtruhe geschlossen. Fredy findet sich eine freie Dreisitzbank in einiger Entfernung und begibt sich ins Reich der Traeume.

Ich lasse nochmals die Erlebnisse und Erfahrungen der vergangenen Tage in Gedanken Revue passieren. Eigentlich sind wir beide von dem, was wir in Tahiti gesehen haben und speziell von den angetroffenen Straenden etwas enttaeuscht. Offensichtlich haetten wir noch tiefer in die Tasche greifen, nach Bora Bora oder einer der kleinen Inseln fliegen und darauf vertrauen sollen, dass diese Reiseziele nicht nur von ihrem magischen Namen zehren sondern ihren Preis auch wert sind.
 
Weitere Fotos: siehe
Galerie / Tahiti - Nr. 6881-6929

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