7.-25. Januar 2007

Affoltern (CH)-Singapore-Australien /
Adelaide (S.A.) - Melbourne (VIC)

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SQ 345 startet am 7. Januar 2007 puenktlich. Es ist dies der letzte Flug eines Jumbo 747 ab Zuerich. Entweder sind deswegen eine Menge Nostalgiker unterwegs oder aber der Sonntag ist ein beliebter Reisetag. Die Kiste ist jedenfalls bumsvoll. Am Montag-Morgen frueh um 7.05h landet der Jumbo in Singapore. Das Gepaeck haben wir durchgecheckt, so dass wir nur ein Teil des Handgepaecks loswerden muesssen, bevor wir in die Stadt hinein starten koennen. Diesmal wollen wir endlich wollen wir den beruehmten Singapore Zoo besuchen, wofuer wir bei unseren frueheren Aufenthalten keine Gelegenheit hatten. Auf 28ha verteilen sich in sehr grosszuegigen Freigehegen voller tropisch satt gruener Vegetation all die Tiere, die man uelicherweise erwartet und als Extras Orang Utans, weisse Tiger, seltene Babirusa aus Indonesien sowie Probscis-Affen. Etwas paradox ist die Haltung von Eisbaeren in diesen Breitengraden, aber die haben ja schliesslich ihre eigenen Ventilatoren mit Kuehlung und zur Erholung einen air-conditioned Aufenthaltsraum! Auch uns machen die Temperaturen von an die 30o C gepaart mit hoher Luftfeuchtigkeit zu schaffen. Zudem sind wir wegen der durchflogenen und durch die Zeitverschiebung reduzierten Nacht auf den Felgen. Wir peilen deshalb den Clarke Quay an und lassen uns gemuetlich auf einem der vielen Flussboote den Singapore River runterschaukeln vorbei an der grossen Esplanade bis zur Harbour Front und wieder zurueck. Das Wahrzeichen der Stadt, der grosse wasserspeiende Merlion, halb Loewe/halb Fisch, ist von seiner Verhuellung befreit worden und erstrahlt nach der Renovation in blendendem Weiss. Von der Hochbahn/MRT aus haben wir bereits einen guten Teil von Singapore gesehen.

Zum Abschluss machen wir noch eine Runde mit dem Hop-on Gratis-Touristenbus, bevor wir uns zurueck auf den Changi-Airport begeben. Da wissen wir die Ruhe, Kuehle und eine erfrischende Dusche in der Priority Lounge zu schaetzen. Immer wieder mal nicken wir ein und schrecken irgendwann auf, da es hoechste Zeit ist, zum Gate des Weiterflugs von SQ 269 nach Adelaide zu dislozieren. Wir starten im einmal mehr vollen Jumbo statt um 23.50h erst mit Verspaetung, da gemaess Ansage des Flugkapitaens zwei Passagiere nur Gepaeck, nicht aber selbst eingecheckt haben, und deren Koffer nun aus Sicherheitsgruenden im Laderaum gesucht und wieder ausgeladen werden muessen. Fuer einen Film nach dem Nachtessen habe ich keinen Elan mehr, und ehe ich mich versehe, werden schon wieder heisse Tuechli fuer die Katzenwaesche angeboten und das Fruehstueck aufgefahren.
Adelaide empfaengt uns mit sonnigem Wetter und sommerlichen 33o C. Nur wenige Schalter sind besetzt bei der Einwanderung, aber wir erhalten ohne Probleme unsern Einreisestempel. Zur Vorsicht habe ich angekreuzt, dass ich Schokolade dabei habe. Doch diesmal interessiert sich niemand dafuer - ebenso wenig fuer unsere wie ueblich prall vollen Taschen plus bequemen Campingstuehlen aus der Schweiz. Fredy muss nur bei der Quarantaene seine Schuhsohlen zeigen.
Der Camper wartet abgesehen von einem Plattfuss unversehrt auf dem Stillwell-Gelaende und springt sofort an. Entschaedigung will keine, freut sich aber ueber Schweizer Taschenmesser und Schokolade. Wir schwitzen nicht schlecht, waehrend wir all unsere Baggage wieder an den altvertrauten Platz verstauen. Nach Auftanken und Einkaufen wollen wir eigentlich nur fuer einen Mittagshalt ans Meer runter und landen am Stadtstrand von Adelaide, in Glenelg. Das Mittagsschlaefchen artet dann zu einem x-Stunden-Schlaf aus, so dass wir dann an der schoenen Strandpromenade gerade fuer die Nacht stehenbleiben.

Auf der A20 erreichen wir am naechsten Tag Gawler, von wo aus wir ueberland durchs bekannte Weinanbaugebiet, das Barossa Valley, fahren. Wider Erwarten sind die Huegel selbst nicht schoen gruen und voller belaubter Weinstoecke sondern gelb und mit duerrem Gras bewachsen. Im Gegensatz zum schweizerischen Anbau werden die Rebstuecke bei den hiesigen Klimaverhaeltnissen und hier herrschenden Temperaturen nicht an die der Sonne exponierten Haengen sondern in den kuehleren Talsohlen und Flaechen gesetzt, um die stete noetige Bewaesserung zu reduzieren. Die meisten Ortschaften sind nur klein, und die Felder sollen sich nach wie vor im Besitz der Nachfahren jener um die Mitte des 19. Jht. aus Deutschland vertriebenen Lutheraner befinden, welche als erste sich hier als Weinbauern betaetigten. An die 60 grosse Winzereien und viele kleine Betriebe leben vom gelben und roten Traubensaft, der in den letzten Jahren so reichlich angefallen ist, dass ueberall ueber einen Preiszerfall geklagt wird.
Ueber Lyndoch, die aelteste Stadt des Tals aus 1837, und Bethany fahren wir nach einem kurzen Halt beim Lookout am Menglers Hill nach Angaston. Anfang Juli hatten wir ein Ehepaar aus dieser Gegend an der Gibb River Road getroffen, das uns aufforderte, sie doch bei Gelegenheit zu besuchen. Allerdings koennen sich dann Robert und Rosemary erst nur mit Muehe sich noch ans uns erinnern. Wir werden gebeten, ins kuehle Haus zu kommen - heute haben wir naemlich aussergewoehnliche 42o C - und erhalten den Staats-Trank von South Australia, kalten Eiscafe, serviert. Aehnlich wie bei den Aussies, die wir in Queensland besuchten, herrscht auch in diesem huebsch zwischen Reben gelegenen Haus ein (wie unsere Kinder sagen wuerden) Riesen-"Ghetto". Zwar offerieren sie, ob wir bei ihnen uebernachten moechten, doch in Anbetracht der Umstaende und der eher hoeflicherweise ausgesprochenen Einladung ziehen wir es vor, uns nach einem Schwatz wieder zu verabschieden. Wir fahren noch im letzten Tageslicht - erst gegen 21.ooh dunkelt es in dieser Jahreszeit - weiter suedlich ueber Eden Valley, Mount Pleasant an Tungkillo vorbei bis kurz vor Palmer. Wir bereiten an einem Lookout ueber die weitlaeufigen Weiden und duerren Wiesen ein kurzes Nachtessen zu um bald darauf - immer noch nicht ganz im Takt mit Tages- und Nachtzeit nach der Zeitverschiebung - bald in die Federn steigen.
Nach gestrigen abendlichen Regentropfen scheint heute wieder voll die Sonne. In Murray Bridge halten wir nicht etwa, um eine der angepriesenen Flussdampfer-Fahrten zu machen, sondern um noch einige vergessene Lebensmittel nachzukaufen. Zusammen mit seinem groessten Nebenfluss, dem Darling River, bildet der Murray River das viertgroesste Fluss-System der Erde, fuehrt aber verglichen mit den anderen die geringste Wassermenge. Von Australien's Osten legt er 3'782 km durch South Wales bis nach South Australia zurueck und ist auf ueber 3'200 km schiffbar. Er wird in erster Linie durch winterliche Niederschlaege, die Schneeschmelze der australischen Alpen und durch sommerliche Monsun-Regenfaelle gespiesen. Jeder 6. Australier lebt von seinem Wasser, und in South Australia sind gar 80% der Bevoelkerung von ihm abhängig.

Bei Tailem Bend waehlen wir die B1 und gelangen vorbei am Suesswasser-See Lake Albert an die Kueste des Southern Ocean. Der parallel verlaufende Kuesten-Nationalpark auf der Younghusband Peninsula wird durch die Coorong Salzwasser-Lagune vom Festland getrennt. In Salt Creek lassen wir uns fuer 4.- AUD ein Permit zum wild campen ausstellen und erkundigen uns vorsichtshalber nach Ebbe und Flut. Wir biegen auf die Loop Road ab, von der aus man mit 4WD-Vehikeln bei Tea Tre Crossing ueber die Sandduenen direkt ans Meer gelangen kann. Das heissst, all die leichteren Autos, nicht aber Baumann's 4-Tonnen-Camper. Trotz Luftablassen und mehreren Versuchen muessen wir schweren Herzens immer kurz vor der Kuppe kapitulieren.

Zum Glueck gibt es weiter suedlich bei 42-Mile Crossing eine weitere, etwas mildere Version und somit fuer uns doch noch die Moeglichkeit, direkt ans Wasser zu kommen. Anstatt von Norden nach Sueden fahren wir dann in umgekehrter Richtung auf dem schmalen, meist harten Sandstreifen ueber buckelige Piste, bis uns mit Site 18 zufrieden geben und einen schoenen Standplatz direkt am Strand belegen. Nur einzelne Wagen von Fischern hatten wir bis dahin passiert, und bis zu unserem Aufbruch am naechsten Morgen kommt auch keine Menschenseele mehr vorbei. Nur kurz koennen wir noch im letzten Sonnenschein sitzen und mit klammen Fingern einen Apéro nehmen, dann vertreibt uns der starke Wind endgueltig ins Wageninnere. Ein herrliches Gefuehl, so nah am tosenden Meer zu schlafen.
Weiter folgen wir der Limestone Coast bis Kingston SE. Auf der rechten Seite der anschliessenden B101 liegen die vielen salzigen Lagunen, oft zu dieser Jahreszeit trocken und mit einer weisslichen Salzschicht bedeckt. Auf der oestlichen Seite dehnen sich weite Felder und Weiden aus, auf denen sich vor Kurzem geschorene Schafe und viel Angus-Vieh tummelt.

Robe ist ein typischer, mit seinen wenigen Touristen beschaulicher Kuestenort mit knapp 1'000 Einwohnern - bekannt fuer seinen 2km langen Surfer Strand direkt vor seiner Haustuere und die fangfrischen Fische und Meeresfruechte. Was liegt da naeher, als uns einen Crayfish (selbst hier mit 35.- AUD nicht ganz billig) fuers Mittagessen zu leisten.

Gegruendet wurde Robe schon 1846 als eine der ersten Siedlungen South Australia's. Auftrieb nahm der Ort aber erst 1857. Ueber 16'000 Chinesen landeten hier im Seehafen, allerdings nicht um sich hier niederzulassen, sondern von der Kueste aus weiter ins Landesinnere zu den ca. 400 km entfernten Goldfeldern rund um Ballarat zu wandern und auf diese Weise die teure See-Einreisesteuer in Victoria von £ 10.- pro Person zu sparen.
Nach einer Fahrt durch friedliches Landwirtschafts-Gebiet, Stellen mit Bewaesserung anscheinend aeusserst fruchtbar und auffallend als gruene "Oasen", erreichen wir die Stadt Mount Gambier. Ihre 23'000 Einwohner verteilen sich auch ueber die Haenge eines erloschenen Vulkans mit drei Kratern. Der ueber 200m tiefe Blue Lake ist der schoenste der drei Kraterseen. Jeweils von November bis Februar nimmt er aus bis heute nicht geklaerten Gruenden eine kitschige Blaufaerbung an, bevor er wieder zu winterlicher Unscheinbarkeit verblasst.
Fuer die Uebernachtung glauben wir bei den ca. 40 km entfernten Piccaninnie Ponds direkt ans Meer zu gelangen, muessen uns aber mit Bays des Conservation Park hinter den Strandduenen vorlieb nehmen. Normalerweise sucht man diese Ponds mit ueberaus klaren Wasser, das eine Sicht bis auf 40 m Tiefe erlaubt, zum Hoehlentauchen und Schnorcheln mit speziellen Bewilligungen auf.
Am Samstag, 13. Januar, verlassen wir den Bundesstaat South Australia und fahren durch forstwirtschaftlich genutzte Gegend mit riesigen Flaechen von militaerisch ausgerichtetet angepflanzten Kiefern. Portland war einst floriende Walfangstation. Heute bringt eine boomende Aluminium-Industrie das Einkommen, deren Produkte parallel mit Holzschnitzeln und Staemmen aus den nahen Anbaugebieten vom modernen Hafen aus verschifft werden. Wir machen den Mittagshalt draussen auf dem langen Pier inmitten vieler Hobbyfischer. Ein Tramway verbindet heute noch den botanischen Garten mit dem Leuchtturm am oestlichen Ende der Bucht. Dazwischen liegt das Geschaeftsviertel der kleinen Stadt mit fast 10'000 Einwohnern. Die Fassaden der vielen aelteren Gebaeude praegen die Hauptstrasse und als Zeugen aus der Pionierzeit stehen noch das alte Gerichts- wie auch das Zollhaus. Die ehrwuerdige Town Hall wird durch den neuen modernen Teil in Beton und Glas gekonnt hervorgehoben.

Mehr Weiden, Schafe und Kuehe entlang der A1. In und um Port Fairy wird heutzutage Fisch und Hummer gefangen. Die 2600-Seelen-Ortschaft hat die East Beach, eine schoene Sandbucht direkt vor ihrer Haustuere, die rege genutzt wird. Zur Zeit herrsche, erklaert man uns - wegen der vielen Touristen aufgrund der derzeitigen langen 6-woechigen Schulferien zum Jahreswechsel - Trubel (oder was hier dafuer gehalten wird).
Unser abendliches Ziel ist Warrnambool. Wir stehen ungestoert zum Nachtessen und spaeter zum Uebernachten am Thunder Point. 1878 sank auf dem Weg nach Melbourne entlang der Kueste der Clipper Loch Ard, wobei 52 der 54 Personen ihr Leben verloren. Diese Geschichte wird im FlagstaffHill Maritime Village aufgegriffen und in einer abendlichen Laser-Show im Open Air Wharf Theater mit naturgetreuen Kulissen und Wasserbecken praesentiert. Um 22.15h erscheinen wir in warmer Kleidung, um festzustellen, dass der Anlass zwar wirklich erst um 22.25h beginnt, wir aber inzwischen mit Einreise in den Bundesstaat Victoria eine weitere Zeitverschiebung um eine halbe Stunde nicht mitbekommen haben und deshalb schon einen Teil er Vorfuehrung verpasst haben. Die Winterzeit in der Schweiz und die australische Sommerzeit resultieren jetzt in 10 Stunden Differenz und erfordern eine gute Planung fuer Anrufe nach Hause.
Sonntag, aber ein strenger Tag heute - nicht an Kilometern, sondern vielmehr an Zwischenhalten und Erkunden der praechtigen Szenerie entlang der B100, bekannt als Great Ocean Road, die offiziell in Warrnambool mit der Shipwreck Coast ihren Anfang nimmt. Die bizarr geformten Steilklippen mit ausgewaschenen Felsformationen, Pools und Bogen sind gut besucht und wir sind nicht allein an den vielen Aussichtspunkten, wo nicht nur mein Fotoapparat bei Naturschoenheiten wie The Arch oder Loch Ard Gorge mit Whistle Tunnel und Thunder Cave staendig klickt. London Bridge steht heute als einzelner Bogen allein in den weissen Wellkaemmen der Brandung. 1990 war der verbindende zweite Felsbogen ohne Vorwarnung und gluecklicherweise ohne Opfer ploetzlich eingestuerzt, so dass die darauf verbliebenen Touristen per Helikopter evakuiert werden mussten. Gemäaess Reisefuehrer sind die "Twelve Apostles" als Kroenung zu betrachten. Ein einziges Mal nur bricht heute die Sonne, dafuer unsgerechnet an diesem Ort, durch die graue Wolkendecke und verschoenert dadurch unsere Aufnahmen.

Nach Princeton verlaesst man die Kueste. Landeinwaerts verschlechtert sich das Wetter. Wir brauchen sogar die Scheibenwischer. Als eventuellen Etappenort hatten wir Lavers Hill ins Auge gefasst, aber der Nebel und die Feuchte treibt uns rasch wieder in niedere Regionen vorbei am Otway National Park. Apollo Bay ist ideal fuer unsere Absicht, am Abend auswaerts zu essen. Wir rekognoszieren zuerst einen Platz fuers Uebernachten und spazieren dann der Hauptstrasse direkt unten am Strand entlang.
Weit braucht man nicht zu gehen - so gross ist der Ort schon gar nicht. Aber dass wir so fein essen wuerden, haetten wir im einfachen Bay Leaf Cafe nicht erwartet. Auf der abwechslungsreichen Speisekarte figurieren viele "small plates", so dass man den verschiedenen "Gluschts" nachgeben und miteinander die Spezialitaeten teilen kann. Natuerlich schwelgen wir nach dem warmen Gruene-Bohnensalat mit heissem Fetta und geroesteten Haselnuessen vor allem in Seafood: mit Reis und Peperoni gefuellte Tintenfische mit wuerziger Tomatensauce, gedaempfte Muscheln in feiner Sauce, dazu ofenfrisches gutes Halbweissbrot und zur Feier des Tages, man hoere und staune, je ein Glas Weisswein. Die Dessertkarte ist ebenfalls sehr attraktiv und Meringue mit Rahm und frischen Erdbeeren ebenso wie ueberbackene Steinfruechte mit Honigstreuseln und Vanilleeis kommen begleitet von feinen Cappuccinos auf den Tisch. Da bleibt die noetige Bettschwere nicht aus und (nach einer Ausschweifung am Laptop, die laenger dauert als urspruenglich beabsichtigt) schlafen wir wie Steine, denn wir haben wohliger Waerme willen resigniert die Sommer-Schlafdecken versorgt und durch die Winterduvets ersetzt.

Fredy faehrt heute mit dem Fahrrad voraus, ich folge mit dem Camper ueber die kurvenreiche Strecke. Die Strasse verlaeuft uber Lorne bis nach Angelesea direkt am Meer entlang. Auch heute wieder grauer Himmel, nur max. 25o C und eher truebes Wetter. Wir hatten schon vor zwei Tagen Kontakt mit alten Reisebekannten aufgenommen und besuchen auf Einladung hin Ed, den wir zusammen mit seiner Frau Gaye im Februar letzten Jahres mit den Fahrraedern unterwegs von London zurueck nach Australien in Vietnam am Wolkenpass getroffen hatten. Leider ist Gaye gerade mal wieder mit dem Bike unterwegs mit einer Tour nach Adelaide (und wir sind sicher am Samstag-Morgen nach dem Start von Piccanninie Ponds an ihr vorbeigefahren, als uns die vielen entegegnkommenden Radfahrer aufgefallen sind!!). Damit wir Central Melbourne suedlich auf der M1 und via den mautpflichtigen Tunnel umfahren koennen besorgen wir uns in Torquay auf dem Postamt den vorgeschriebenen CityLink Pass fuer den 16.1. Die Skyline der victorianischen Hauptstadt sehen wir so nur aus der Ferne von der Westgate Bridge aus undeutlich in diesigem Licht.
Unser erstes Ziel ist die Iveco-Vertretung bei Dandenong, fast 40 km von der eigentlichen City Melbourne's entfernt. Da suchen wir Kontakt mit Tony, dem Schweizer-Mechaniker, der unser Mann sein und unserem Camper einen neuen Motor verpassen soll. Die Detail-Abklaerungen und Diskussionen darueber ziehen sich ueber mehrere Tage hinweg, dann ist der Fall klar. Der eigens von uns aus der Schweiz hergeschiffte Motor entspricht entgegen der Zusicherungen in der Schweiz nicht 100% unserem derzeitigen und wuerde vor dem Einbau diverse Modifikationen erfordern - nicht unbedingt ideal fuer den geplanten Selbsteinbau von Fredy, fuer den wir dank freundlicher Hilfe des Zufallsbekannten Ross hier auch schon einen Arbeitsplatz gefunden haetten. Seit Kurzem erst steht dafuer hier vor Ort ein komplett identischer, revidierter Austauschmotor zu einem sensationell guenstigen Preis inkl. Einbau zur Verfuegung. Der langen Rede kurzer Sinn: Unsere Reise werden wir mit einem australischen Motor fortsetzen. Zum Glueck trifft unsere Seefracht mit Verspaetung hier in Melbourne ein und wir koennen Panalpina rechtzeitig instruieren, sie gar nicht erst abzufertigen resp. nach Australien zu importieren sondern die Ware wie Transitgut wieder zur Rueckgabe in die Schweiz zurueckgehen zu lassen.
Am Sonntag-Abend, 21. Januar ruecken wir an. Bei heftigen Winden und teilweise Regen demontiert Fredy vor der Iveco die Front sowie Zusatzeinbauten im Motorraum. Am Montag dann rollen wir zuhinterst in die Werkhalle. Da der Einbau offiziell nun durch Tony und die Iveco erfolgt, darf Fredy sich nicht daran beteiligen. Entgegenkommenderweise duerfen wir uns tagsueber im Auto aufhalten. Ich kann am Laptop arbeiten und Fredy kleine Reparaturen im Wageninnern vornehmen, gleichzeitig aber wenn noetig (aufgrund seiner nicht unbetraechtlichen Reparatur-Erfahrungen von unterwegs) fuer Auskuenfte bereitstehen. Nicht 2 sondern 2 1/2 Tage dauert dann der Einbau des Ersatzmotors. Dabei koennen wir noch von Glueck reden, ueberstand doch die Maschine den ersten Start-Versuch mit 180o verkehrt eingebauter Nockenwelle schadlos.

Albert musste wegen eines durch den Sturm am Sonntagabend ausgeloesten Alarms den Nachbarbetrieb ueberpruefen. Bei dieser Gelegenheit kam bei uns vorbei, erkundigte sich, ob wir Probleme haetten und erfuhr die Umstaende unseres Aufenthalts hier. Ueberhaupt kein Problem - sollten wir in den folgenden Naechten nicht im Camper schlafen koennen - in seinem Haus stehe das Gaestezimmer jederzeit fuer uns bereit. So kommt es, dass wir dann am Montag-Abend bei einem Barbeque mit Bergen von Steaks und Wuerstchen seine Frau Jane und Sohn Scott mit Freundin kennen lernen. Die grosszuegige Gastfreundschaft und ihre Chauffeurdienste muessen wir dann wegen der Reparaturverzoegerung noch einen zusaetzlichen Tag laenger in Anspruch nehmen, revanchieren uns dafuer mit einem feinen Nachtessen im Dingley Hotel.
Vorgaengig der Motor-Reparatur haben wir Melbourne und vor allem die Vororte recht gut kennengelernt. Staendig waren wir mit mehr oder weniger Erfolg unterwegs. X-mal haben wir die von der Waeco empfohlene Service-Stelle aufgesucht. Noel gab sich redlich Muehe (so nennt man das freundlich formuliert), aber trotz verschiedensten Versuchen fahren wir noch immer mit einem improviert eingebauten Thermostat und Temperatur-Messgeraet herum und warten auf eine Erleuchtung seinerseits. Super war die Panasonic-Reparaturstelle, wo das Richten des aus Versehen verschobenen und die ganze Kamera blockierenden Objektiv als Bagatelle erkannt und sofort vorgenommen wurde. Auch die Mitarbeiterinnen bei Panalpina, denen wir das Geld fuer ihre Bemuehungen bringen mussten, waren mehr als nur entgegenkommend und warteten auf unser durch den Feierabend-Verkehr in der Umgebung des Tullamarin verspaetestes Eintreffen ueber den Feierabend hinaus.
Das Wetter in Melbourne ist ein Kapitel fuer sich und wechselt unablaessig. Wir erleben mal pralle Sonne mit Wind wie ein heisser Foehn mit amtlichem Tageshoechstwert von 40,5o C. Der Strand von Mordialloc ist an diesem Abend schon wegen dieser Rekordtemperatur, zusaetzlicher aber noch weil viele Geschaefte und Laeden fruehzeitig schlossen, da Braende ein wichtiges Kabel zerstoert und die Stromzufuhr unterbrochen haben, mit Badenden dicht belegt. Immer wieder haben wir kuehle Morgen mit Bewoelkung und gar leichtem Regen - der den Melbourner willkommener ist als uns, denn auch hier herrscht Wasserknappheit und bereits Stufe 3 (von 4) bei den Sparmassnahmen.

Unser Vehikel neu geruestet koennen wir uns entspannen und zum Vergnuegen uebergehen. Wir treffen uns mit Ineke und Pierre Duboux (ex Goa, Malaysia, Vietnam), die etwa zu gleicher Zeit hier in der Stadt eingetroffen sind wie wir. Zusaetzlich lernen wir, bereits bekannt aufgrund ihrer Homepage, Walti und Nicole kennen, die eben von Tasmanien zurueckgekehrt sind.
Waehrend wir meist bei der Marina an der Lorimer Street auf der Southbank mit toller Aussicht auf die abendliche Skyline des Geschaeftszentrums uebernachten, parken wir als Ausgangspunkt fuer Stadtbummel unweit davon auf dem Mazda Court neben der Charles Grimes Bridge. Zusammen gehen wir zum Indisch Essen ins Flora. Anschliessend richten wir es so ein, dass wir Schlag 22.ooh beim Crown Entertainment Hotel Complex sind, wo am Yarra River jede Stunde grosse Eisensaeulen als Flammenwerfer amten und riesige Feuerstoesse die Nacht erhellen. Wir machen einen Besuch im Hotel Casino und mit Ausnahme von Ineke und Fredy verspielen wir alle in recht kurzer Zeit je 50.- AUD am Black Jack Spieltisch.

Wir nehmen uns Melbourne City und seine Sehenswuerdigkeiten vor. Wir geniessen wir einen Blick auf die umliegenden Hochhaeuser von der Princess Bridge aus. Anschliessend treiben wir uns auf dem von architektonisch auffallenden modernen Bauten umrahmten Federation Square herum. Zur Zeit finden ja die Tennis Open hier in Melbourne statt, und viele Leute sitzen auf den breiten Stufen, um die Uebertragung der Matchs zu verfolgen. Genau gegenueber liegt die imposante Flinders Railway Station.

Von das aus absolvieren wir eine Tour mit dem weinroten Free Circle Line Tram. Waehrend der Fahrt wird man staendig informiert, wo genau diese Haltestelle sich befindet, wie sie heisst und welche Sehenswuerdigkeiten, ueber die man kurz ihre Geschichte und praktischerweise auch die Oeffnungszeiten erfaehrt, man von hier aus am besten erkundet. Die meisten der Passagiere scheinen es aber uns gleichzutun und sich erst einmal zur Orientierung sich rund um die Innenstadt schaukeln zu lassen. Beim Besuch des sich noch im Bau findenden Quartier um Victoria Harbour herum werden wir verregnet. Ein Teil der Wohnungen in den Hochhaeusern von Docklands sind bereits bezogen. An allen Ecken und Enden wird versucht, weitere Einheiten in erst auf dem Papier bestehenden kuenftigen Wohntuermen an den Mann oder die Frau zu bringen.
Wir doppeln nach und besteigen am naechsten Tag suedlich der Queensbridge einen der tuerkisgruenen Tourist Shuttle Busse, die gratis und franko Touristen oder wer immer Lust hat in einer festgelegten Route rund um und durch Melbourne City schaukeln. Auf der Southbank Seite lassen wir uns ohne Aussteigen um die vielen Museen und Ausstellungen, durch einen Teil des Botanical Garden und vorbei an den grossen Sportstadien, das MCG Cricket Stadium das bis zu 100'000 Personen fassen kann, und der Rod Laver Arena, wo zur Zeit Roger Federer am Tennis Open im Einsatz ist, fahren. Wieder auf der Nordseite vom Yarra River wandern wir erst durch die Spring Street, wo die ansehnlichen Gebaeude von City Museum und Parliament House liegen. Dann durchqueren wir die enttaeuschend kleine China Town. Beeindruckend in ihrer Groesse, vor allem aber durch den ueberraschenden Effekt der Kombination von Altbau, die riesige Kuppel des althergebrachten La Trobe Reading Room, und neuen Komplexen der State Library.
Ebenso ueberrascht die Central Station, deren Mittelpunkt der alte Coops' Shot Tower aus 1889 ist. Mit dem dazugehoerenden Shopping Center wird er von einem 490 Tonnen schweren und 20 Stockwerk hohen Glaskonstruktion in Kegel bedeckt, deren 924 grosse Scheiben von einer eigens entwickelten Vorrichtung geputzt werden. Vorbeimarschierend am Old Melbourne Goal bestaunen wir unweit davon das Royal Exhibition Building aus 1870, bevor wir in der Rathdowne Street wieder den Tourist Shuttle besteigen. Das ehemalige italienische Quartier Lygon Street in Carlton durchfahren wir, sehen die Melbourne University bequem durch das Busfenster, passieren den Queen Victoria Market, der 1869 am selben Standort als Lebensmittelmarkt eroeffnet und spaeter um Gebrauchsgegenstaende und Kleider-Verkaeufer erweitert wurde, und steigen schliesslich wieder bei Stop 7 aus. Zwischen Bourke und Collins Street liegen verschiedene alte Shopping Arcades, wo wir uns kurz in eines der Strassencafés setzen und uns staerken. Vor uns liegt noch das interessante Immigration Museum, in dem uns die verbliebene Zeit bis zur Schliessung um 17.ooh kaum reicht, all die interessanten Objekte, Schilderungen, alte Dokumente und Fotos zu studieren.

Wir schliessen die Besichtigungstour ab mit dem Besuch des Observation Deck im 253m hohen Buerogebaeude Rialto. Im warmen Sonnenlicht des spaeten Nachmittags stehen beeindruckend die vielen Hochhaeuser des Geschaeftszentrums, den Yarra River kann man auf seinem Weg durch die Stadt verfolgen. Wir koennen kontrollierne, ob unser und der Duboux Camper noch auf dem Parkplatz stehen und ueberblicken Victoria Harbour mit den Docklands, runter an die Kueste zum Pier mit der Faehre nach Tasmanien am Beladen, bis runter nach Brighton. Eine ganze Palette von Bauten bis weit in die Vororte hinaus, in welchem die 3,5 Mio. Einwohner der Hauptstadt des Bundesstaat Victoria leben.
Ein Besuch in St. Kilda mit seiner Backpacker-Szene ist fuer Touristen ein Muss. Die Strassen des Vororts sind mit schrillen Kneippen und ausgefallenen Laeden gesaeumt und vor allem Carlisle Street voller seltsamer Typen. Bei gutem Wetter ist das Strandleben, am Wochenende ein Troedlermarkt der Esplanade entlang sowie ein Vergnuegungspark ebenfalls einen Besuch wert. Wer im Stadtteil Brighton wohnen will, muss fuer die Einfamilienhaeuser tief in die Tasche greifen. Dafuer stehen an dessen Beach die vielen verschieden farbigen Umkleide-Haeuschen, die so manchen Reiseprospekt zieren.
Am Freitag, der 26. Januar 2007 "machen wir den Haushalt" bis es Zeit wird zum Einschiffen fuer den geplanten Abstecher nach Tasmanien. Eigentlich haetten wir Schmutzwaesche schmutzig sein lassen sollen, denn heute ist der australische Nationalfeiertag, Australien Day und in den Paerken und teilweise gesperrten Strassen duerfte einiger Betrieb sein.
     
Weitere Fotos: siehe
Galerie / Singapore - Nr. P1020328-429
Galerie / Australien / South Australia - Nr. 4162-4378
Galerie / Australien / Victoria - Nr. 4384-4879